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            am Baggerloch

Eine meiner liebsten Beschäftigungen in der Freizeit ist das Reisen. Nicht im großen Stil ferne Länder oder übern großen Teich. Ich schau mir die nähere und ferne Heimat an, die unmittelbaren Nachbarländer oder fahre bestenfalls mal im Tunnel auf die Insel.

So richtig frei fühle ich mich, wenn ich abends mit wenig oder gar nichts an unterm Sternenzelt sitze, den Tierstimmen lausche, am Abend vor dem Einschlafen noch eine Runde um einen See spaziere und zum wach werden eine halbe Stunde nackt im Wasser herum schwimme. Eine feine Sache, und leicht zu haben. Da wo es mir gefällt, da bleibe ich über Nacht. Mein Bett habe ich im Auto, und bei sehr mildem Wetter liege ich auch gerne mal draußen auf der ISO-Matte.

Eines schönen warmen Tages ihm Mai nahm ich mir vor, mal wieder frühere Kollegen zu besuchen, aus meiner Zeit westlich des Rheins im Kreis Neuss. Damals hatte ich vor lauter Arbeit keine Zeit, das Land anzuschauen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Fasziniert hat es mich dennoch, am linken Rheinufer entlang stundenlang geradeaus mit dem Fahrrad zu fahren, den Spuren der Römer die sich bis hierher verirrt hatten zu folgen.

Diesmal wollte ich noch etwas weiter nördlich. In Landstriche, die ich bisher nur vom durchfahren in die Niederlande kannte. Zum übernachten wählte ich mir einen Platz am Waldrand, tarnte das Auto in Oliv und erkundete erst mal die nähere Umgebung meines Schlafplatzes. Ein Baggerloch in unmittelbarer Gegend. Ja supi! Der Blick zum Himmel versprach eine sehr milde Nacht, und so zog ich meine Klamotten aus und machte es mir am Ufer bequem.

So hockte ich bis spät am Abend und genoß es, die leichte Brise auf der Haut zu spüren. Nach meinem Schlummertrunk, von dem mir meine Kollegen ein paar Flaschen spendiert hatten, verkroch ich mich ins Auto, legte mich nackig auf mein selbstgebautes Lager und lauschte den Stimmen der Nacht durch das leicht geöffnete Fenster.

Am anderen Morgen erwachte ich, noch bevor die Sonne so richtig am Himmel stand. Zeit für ein ausgiebiges Morgenbad. In gemächlichen Zügen schwamm ich der aufgehenden Sonne entgegen, in weitem Bogen durchquerte ich den kleinen See und ruhte mich an einem alten Baum aus, der wohl schon sehr lange im Wasser trieb. Es war herrlich, den Tag so zu beginnen. Das Wasser schmeichelte meiner Haut, und ich fühlte mich einfach wunderbar.

Von fern näherte sich ein einsamer Fußgänger dem Baggerloch. Ich konnte nicht gleich erkennen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte, noch ob es ein jüngerer oder älterer Mensch war der da die morgendliche Stille suchte. Als er näher kam, sah ich dass es ein Mannsbild war. Kein Frischling, ein ausgewachsener Kerl mit vom Wetter gegerbtem Gesicht, in dem das Leben seine Spuren gezeichnet hatte. Hier in der Gegend hat es viele Kumpels. Wenn man es genau nimmt, ist mindestens jeder zweite erwachsene Mann in dieser Region ein Kumpel. Und bei diesem der da herum spazierte war ich mir fast sicher.

Langsam wurde mir frisch im Wasser, und so beschloß ich an Land zu schwimmen. An Wanderer war ich gewohnt, bisher hatte sich noch nie jemand daran gestört, wenn ich nackt aus dem Wasser kam und mich von der Sonne trocken ließ. Heute, an diesem Maimorgen, war es noch zu kühl um naß am Ufer sitzen zu bleiben. Ich suchte nach meinem Handtuch, bedeckte meine Schultern und den Rücken damit, um mich vor dem frischen Wind zu schützen. So saß ich eine Weile gedankenverloren und beobachtete die Wasseroberfläche.

„Guten Morgen schöne Frau“. Eine Männerstimme holte mich in die Wirklichkeit zurück. Tief, aber von weichem Klang. Ein wenig rauchig, schwang etwas warmes in diesem Satz. Ich drehte mich langsam um. Hinter mir, im Abstand von ein paar Metern, stand der Kumpel den ich vorher vom Wasser aus gesehen hatte. „Darf ich beim abtrocknen helfen“ . Ein spitzbübisches Lächeln huschte über sein Gesicht. Nicht übel, dachte ich im Stillen. Er schaute, als könne er kein Wässerchen trüben, aus Augen deren Farbe wohl am ehesten denen eines klaren Bergssees nahe kommt, ein grün ähnlich dem eines Jadesteins.

Warum auch nicht, so eine Abreibung mit meinem Frotteehandtuch kann ja nicht schaden. Und was soll schon passieren. Er wirkte mir nicht als sei er ein Draufgänger. So ermunterte ich ihn. „Ach, ja – wäre keine so schlechte Idee.“ Er nahm das Handtuch, und rubbelte vorsichtig die Haut trocken. So hatte mich schon ewig niemand mehr abgetrocknet, oder vielleicht überhaupt nicht. Er begann am Hals, massierte leicht den Nacken so als würde er ahnen dass daß mir da heute Nacht eine Hexe rein geschossen hatte. Weiter über die beiden Schultern, die Oberarme. Wie zufällig hielt er mich mit beiden Händen etwas länger als zwingend notwendig gewesen wäre. Ich atmete den Duft seiner Haut. Angenehm herb, ein Hauch von Hopfen gemischt mit dem Virginia, der bei mir im Garten wuchs.

Das war eine Pflege, an die ich mich gewohnen konnte. Daß er so rein zufällig auch meine Brüste streifte überging ich. Denn alles in allem war er überaus anständig, tat nichts was ich als anstößig empfinden konnte; auch als er den Rücken weiter abwärts abtrocknete bis zum Po.

Er setzte sich neben mich. Wir plauderten über dies und das, er fragte was ich gerade in dieser Gegend wollte. Jetzt war es an mir, mir ein Lachen zu verkneifen. „Schöne Landschaften gucken und mit netten Menschen plaudern“ Beides war mir ja auch gelungen. So ganz unbefangen, natürlich nackt.

Nur schade, dass er bald wieder aufbrechen musste. Vor lauter Aufregung vergaß ich, ihn nach seinem Namen zu fragen. So werde ich ihn wohl nie mehr wieder treffen. Oder mir überlegen noch mal zu diesem Baggerloch zu fahren, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

© saalenixe 2007