|
Dieses Lied von Truck Stop hat sicher jeder von euch irgendwann einmal gehört:
wer kennt die Frau die nichts an hat als den Gurt..
Eine Frau – nur mit einem Sicherheitsgurt bekleidet, und das auf Deutschlands Straßen? Kaum zu glauben.
Nackig am Steuer sitzende Männer sehen wir ja schon gelegentlich, oder lesen zumindest von der kleinen Freiheit, die sich mancher Trucker doch gönnt. Recht haben sie. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, und wer es einmal erlebt hat macht es immer wieder.
Samstag Mittag, einer der heißesten in diesem Jahr. 500 Kilometer Strecke liegen vor ihr. Ich nenne sie jetzt mal Teufelchen. Wegen den manchmal funkelnden Augen und dem Temperament, wo selbst der Luzifer heiße Füsse bekommt. Einen Dickschädel wie 1.000 Rinder hat das Teufelchen, und mit diesem muß sie durch die Wand. Heute – bei 29 Grad im Schatten, hatte sich Teufelchen in den Kopf gesetzt, nackig quer durch Deutschland zu fahren. Oder- zumindest fast nackig.
Aus der Stadt heraus fuhr sie noch wie jede andere, denn sie musste noch einen kleinen Tankstopp einlegen. Weiter ging es Richtung Süden, auf die Autobahn. Teufelchen überlegte, wo sie sich am besten ihrer Kleidung entledigen konnte. Eine rote Ampel. Kurz geschaut ob jemand guckt, den Gurt ausgeklinkt, schnell das T-shirt auf dem Beifahrersitz geworfen und Teufelchen war oben ohne. Nur bekleidet mit dem Gurt, der sie beim Aufprall schützen sollte. Auf der linken Spur der Wartende bemerkte nichts von der wundersamen Wandlung.
Die Ampel sprang auf grün, freie Fahrt für freie Menschen. Und Teufelchen war so frei, zu tun und lassen was sie wollte. Das linke Fenster war weit offen. Durch den Fahrtwind wurde die Hitze im Fahrerraum so halbwegs erträglich. Noch war niemand aufgefallen, dass Teufelchen fast nichts an hatte. Sie bog ab auf die Autobahn. Gemütlich tuckerte sie auf der heute wenig befahrenen Strecke, die Nadel des Tacho tanzte so um die 130 Stundenkilometer. Nach 10 Minuten das erste Kreuz. Jetzt ging es durch das erste Nadelöhr, eine Dauerbaustelle. Teufelchen drosselte das Tempo auf 60, ließ den Fahrtwind über ihre nackte Haut wehen und genoß die Sonnenstrahlen, die durch die Windschutzscheibe ihren Busen wärmten.
Die Bahn wurde wieder dreispurig. Teufelchen gab Gas und zog an einem Truck vorbei. Wie zufällig blickte der Fahrer gerade zum Fenster heraus und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen was er Teufelchen im Rückspiegel nachschickte. Die Bahn war jetzt belebter, Teufelchen wurde von manchem schneller fahrenden PKW überholt. Was macht der denn da.. ? Überholt, drosselt das Tempo und wechselt wieder auf die rechte Spur. Teufelchen bremst leicht ab, um den Abstand zu halten. Ihr kam es so vor als wolle der vor ihr Fahrende, dass sie ihn wieder überholen solle. Mit 70 auf der Bahn – da käme sie ja nie zu hause an. Sie ließ ihn ein paar Kilometer zappeln, gab wieder Gas und zog an ihm vorbei. Nicht ohne mit spitzbübischem Grinsen in Richtung des Fahrers zu blicken. Dann zog sie ihm davon.
So ging es ein Weilchen Richtung Süden, so manch einer überholte Teufelchen, ohne irgendwelche Reaktionen, so mancher Truck blieb weit hinter ihr. Teufelchen hatte einen Vorteil. Sie saß hoch genug, um auf die Kleinen herunter zu schauen, und klein genug, damit sie nicht Auge in Auge neben dem Führerhaus eines Truckers fuhr.
Wieder überholte einer von links. Hielt mit einem Mal das Tempo um neben ihr gleich zu ziehen. Mensch, guck nicht so – haste noch nie ne Frau oben ohne gesehen? Teufelchen machte das an sich nichts aus, sie wunderte sich nur über den Leichtsinn des Fahrers einfach auf der Mittelspur zu bremsen. Sie hupte den Fahrer an und grinste dabei bis über beide Ohren. Der so ertappte schaute dass er Land gewann.
Die Fahrt auf der Autobahn währte insgesamt vier Stunden, auch auf der Landstraße die weitere 100 km durch Dörfer fuhr, hielt sie es nicht für nötig, sich etwas anzuziehen. Erst 30 km vor ihrem Heimatdorf zog sie wieder das T-shirt über, und das auch nur deswegen weil sie dort jemand kannte der wiederum ihren Liebsten kannte. Sie waren zwar beide frei, doch alles musste er auch nicht wissen. Er war ihr lieb und teuer, und sie wollte nicht dass er etwas falsch verstehen könnte.
Zuhause angekommen, ließ Teufelchen noch einmal die Fahrt an sich vorüber ziehen. Es war so schön den Wind zu spüren und die Sonne zu fühlen.
Sie würde, ja musste es wieder tun. Allerdings mit einer Einschränkung: niemals bei sehr dichtem Verkehr. Die Gefahr dass jemand abgelenkt wurde vom Anblick dieser blanken Brüste, und dabei einen schweren Unfall baute, erschien Teufelchen nun doch sehr groß. Nein – das musste sie nun wirklich nicht provozieren.
Tja, und wer von euch zufällig letzten Samstag auf der Autobahn Richtung Süden unterwegs war, hat sie vielleicht gesehen. Und darf sich jetzt gewiss sein: es war keine Fata Morgana.
© saalenixe 2007
|